Prozessmodell
Kunst. Wissenschaft. Transformation.
Wie lassen sich gesellschaftliche und ökologische Herausforderungen gemeinsam neu denken? Unsere Formate schaffen Räume für Perspektivwechsel, kritische Fragen und kreative Zugänge. Dabei bringen wir künstlerische Praktiken, wissenschaftliche Reflexion und unternehmerisches Wissen in einen produktiven Dialog.
Im Zentrum steht das 6-Stufenmodell – ein methodischer Rahmen, der Gruppen strukturiert und zugleich offen durch einen gemeinsamen Transformationsprozess begleitet. Von der ersten Erkundung bis zur Entwicklung konkreter Zukunftsperspektiven entstehen Räume für Dialog, Erkenntnis und Gestaltung.
Begleitet wird jede Stufe durch passende Tools und Formate – etwa den Fotospaziergang, das partizipative GreenDealer-Spiel oder strukturierte Dialogformate. Sie fördern nicht nur das Verstehen komplexer Themen, sondern auch die aktive Mitgestaltung durch alle Beteiligten. Das Modell befindet sich derzeit in der praktischen Erprobung. Aktuell testen wir die Methode in einem Pilotprojekt zur zukünftigen ergänzenden Nutzung des Pumphauses am Rheinhafen Karlsruhe sowie gemeinsam mit der Hochschule Karlsruhe zur Entwicklung von Nutzungsperspektiven für eine Baugrube auf dem Hochschulgelände. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen fortlaufend in die Weiterentwicklung des 6-Stufenmodells ein.

Das 6-Stufenmodell – kurz erklärt
Stufe 0: Vorbereitung
Themen und Fragestellungen werden gemeinsam geschärft, erste Teams gebildet.
Stufe 1: Basislager
Die Gruppe lernt sich kennen, erkundet den Ort mit dem eigens entwickelten Tool Fotospaziergang, um unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen – und öffnet sich für neue Zugänge.
Stufe 2: Routenplanung
Leitfragen, Handlungsspielräume und eine gemeinsame Transformationsutopie entstehen – inspiriert durch kreative und fachliche Impulse. Mit dem partizipativen Nachhaltigkeitsspiel werden die für das Projekt zentralen Kriterien spielerisch ausgehandelt und priorisiert.
Stufe 3: Aufstieg
Ideen werden greifbar: Konzepte, Kommunikationsformen und erste Lösungsansätze entwickeln sich.
Stufe 4: Gipfelblick
Die Ergebnisse werden sichtbar – als Ausstellung, Aktion oder Dialogformat. In Form eines Kunst- und Wissenschaftsfestivals können Inhalte öffentlich präsentiert, Räume aktiviert und Gespräche mit der Öffentlichkeit angestoßen werden. Sichtbarkeit, Resonanz und Identifikation stehen im Fokus.
Stufe 5: Ausblick
Was trägt weiter? Reflexion und Priorisierung leiten konkrete nächste Schritte ein.
Stufe 6: Der Wegweiser
Der Prozess mündet in eine dokumentierte Orientierungshilfe – als Impuls für nachhaltige Veränderung.
Transformation beginnt mit einem Gespräch – und wächst über sechs Stufen zur Bewegung.
Formate des ARTCOM-Stufenmodells
Das ARTCOM-Stufenmodell bündelt innovative Transferformate, die künstlerische, wissenschaftliche und partizipative Ansätze systematisch miteinander verbinden. Ziel ist es, komplexe räumliche, soziale und infrastrukturelle Fragestellungen gemeinsam mit unterschiedlichen Akteur:innen zu analysieren, zu verhandeln und in tragfähige Nutzungskonzepte zu überführen.
Die Formate bauen aufeinander auf und unterstützen den Wissens- und Technologietransfer von der ersten Annäherung an einen Ort über kollektive Aushandlungsprozesse bis hin zur konzeptionellen und öffentlichen Umsetzung. Sie schaffen Schnittstellen zwischen Forschung, Planung, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft und machen Innovation als kooperativen Prozess erfahrbar.
Im Folgenden werden zentrale Formate des Stufenmodells vorgestellt. Jedes Format übernimmt dabei eine spezifische Funktion im Gesamtprozess – von der Öffnung und Aktivierung des Projekts über gemeinsame Analyse und Aushandlung bis hin zur Verdichtung, Übersetzung und Weitergabe von Wissen.
Von einzelnen Formaten zur Transfer-Architektur
Die Formate des ARTCOM-Stufenmodells sind nicht als isolierte Workshops oder einzelne Tools konzipiert. In ihrer Abfolge bilden sie eine Transfer-Architektur, die unterschiedliche Phasen von Transformationsprozessen miteinander verbindet und aufeinander aufbaut.
Jedes Format bereitet den jeweils nächsten Schritt vor: Wahrnehmung wird geschärft, implizites Wissen sichtbar gemacht, Perspektiven zusammengeführt, Entscheidungen vorbereitet und gesellschaftliche Relevanz hergestellt. Innovation entsteht dabei nicht als punktuelles Ergebnis, sondern als lernender, kooperativer Prozess, der sich schrittweise verdichtet.
Einladung mit Kunst – Ein wertschätzender Projektauftakt
Jede:r Teilnehmende erhält zum Projektstart eine individuell kuratierte Einladung mit einem ausgewählten Kunstwerk. Diese persönliche Geste schafft Aufmerksamkeit, Wertschätzung und einen ersten emotionalen Zugang zum Prozess. Das Kunstwerk wird zum Gesprächsanlass und dient als Einstieg in die gemeinsame Reflexion über Wahrnehmung, Perspektiven und Erwartungen.
Fotospaziergang – Den Ort mit neuen Augen sehen
Im Fotospaziergang erkunden die Teilnehmenden den Projektort mit analogen Kameras und einem Fragenkatalog, der sich an fünf Einflussfeldern orientiert: Mensch, Material, Natur, Digitales und Macht. Sie bieten einen Überblick über systemische Zusammenhänge nachhaltiger Infrastrukturentwicklung. Die Fragen lenken den Blick, ohne ihn festzulegen, und regen zum genauen Hinsehen an. So entstehen individuelle Perspektiven, die den Ort in seiner Vielschichtigkeit erfahrbar machen.
Fotoausstellung – Individuelle Wahrnehmungen als kollektive Erzählung
Die entwickelten Fotografien werden kuratiert und in einer Ausstellung entlang der Einflussfelder zusammengeführt. Erst hier sehen die Teilnehmenden ihre Bilder wieder – nun als Teil einer gemeinsamen Geschichte. Die Ausstellung dient als Reflexionsraum, macht Muster und Themen sichtbar und bildet eine zentrale Grundlage für die weitere Konzeptentwicklung.
Green Dealer – Nachhaltigkeit spielerisch verhandeln
Der Green Dealer ist ein spielbasiertes Aushandlungsformat auf Basis von über 100 wissenschaftlich geprüften Nachhaltigkeitskriterien. In mehreren Runden priorisieren die Teilnehmenden ökologische, soziale, ökonomische und technologische Aspekte. Das Ergebnis ist ein gemeinsames Nachhaltigkeitsprofil, das Orientierung für weitere konzeptionelle Entscheidungen bietet.
Inseln des Gelingens – Vom individuellen Handlungsspielraum zum kollektiven Potenzial
Mit dem Format „Inseln des Gelingens“ werden individuelle Kompetenzen, Motivationen und Einflussmöglichkeiten sichtbar gemacht. Auf Basis einer Umfrage entstehen zunächst persönliche Perspektiven, die anschließend zu einer gemeinsamen „Insel“ der Projektgruppe zusammengeführt werden. Das Tool zeigt, wie aus individuellen Potenzialen kollektives Handeln entstehen kann.
Ideen Ping Pong – Ideen durch Kombination erzeugen
Beim Ideen Ping Pong treffen Textkarten mit thematischen Begriffen auf Bildkarten mit Nachhaltigkeitskriterien. Aus jeder Kartenkombination entwickeln die Teilnehmenden spontan neue Nutzungsideen – offen, spielerisch und ohne Bewertungsdruck. So entstehen vielfältige Vorschläge, die bestehende Denkpfade bewusst verlassen.
Konzeptausarbeitung – Von Ideen zu tragfähigen Konzepten
In der Konzeptphase werden alle bisherigen Ergebnisse zusammengeführt: Fotos, Nachhaltigkeitskriterien, Einflussfelder und Ideen aus den Workshops. Mithilfe von Templates und Moodboards entstehen konkrete Nutzungskonzepte, die systemische, ökologische und soziale Dimensionen berücksichtigen. Der Prozess verbindet wissenschaftliche Fundierung mit kreativer Gruppenarbeit.
Gipfelblick – Öffnung in die Stadtgesellschaft
Der Gipfelblick bildet den öffentlichen Teil des ARTCOM-Prozesses. Konzepte, Interventionen und Programme werden am Ort selbst erlebbar gemacht und in einen Dialog mit der Stadtgesellschaft überführt. Der Gipfelblick schafft Resonanz zwischen Fachwelt, Projektgruppe und Öffentlichkeit – und erprobt Zukunft in der Praxis.