Pumphaus im Rheinhafen – technische Infrastruktur zwischen Betrieb und Öffnung

Das Pumpwerk im Karlsruher Rheinhafen ist ein funktionaler Bestandteil der Energieinfrastruktur und wird aktuell technisch genutzt – allerdings nur zeitweise. Der Betrieb erfolgt vor allem in den Wintermonaten und überwiegend nachts, während das Gebäude in den Sommermonaten und tagsüber weitgehend ungenutzt bleibt und damit Potenziale für ergänzende Nutzungen eröffnet.

Gleichzeitig wurde es im ARTCOM-Prozess als ein Ort sichtbar, der sich zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Technik, Natur und gesellschaftlicher Nutzung bewegt.

Ziel war es, ein nachhaltiges Nutzungskonzept zu entwickeln, das die bestehende Infrastruktur respektiert und zugleich neue Formen der Öffnung und Nutzung ermöglicht.

 

Den Ort verstehen: Infrastruktur zwischen Funktion und Potenzial

Die Analyse zeigte, dass das Pumpwerk kein neutraler Ort ist, sondern ein komplexes Gefüge aus technischen, räumlichen und sozialen Bedingungen.

Das Gebäude ist weiterhin in Betrieb und muss dauerhaft zugänglich bleiben, wodurch Nutzungsmöglichkeiten begrenzt, aber nicht ausgeschlossen sind. Gleichzeitig entstehen durch zeitweise geringe Nutzung und vorhandene Flächen neue Spielräume.

Im Fotospaziergang wurde der Ort als Spannungsfeld wahrgenommen:

  • zwischen industrieller Funktion und kulturellem Potenzial
  • zwischen abgeschlossener Infrastruktur und öffentlichem Raum
  • zwischen bestehender Nutzung und möglichen zukünftigen Szenarien

 

Einflussfelder: Infrastruktur neu denken

Die Auswertung erfolgte entlang der fünf ARTCOM-Einflussfelder
Mensch, Natur, Material, Digital und Macht.

Dabei wurde deutlich:

  • Mensch: Es fehlen niedrigschwellige Angebote und Aufenthaltsorte, insbesondere für Jugendliche
  • Natur: Wasser und Umgebung bieten großes Potenzial für Erlebnis, Bildung und Kooperation
  • Material: Bestand und Substanz prägen Atmosphäre und Nachhaltigkeit
  • Digital: weniger sichtbare Technik, aber große Bedeutung für zukünftige Nutzung
  • Macht: Nutzungsmöglichkeiten sind stark durch institutionelle Rahmenbedingungen begrenzt

Diese Perspektiven zeigen, dass Infrastruktur nicht nur technisch, sondern immer auch sozial und politisch geprägt ist.

 

Nachhaltigkeit als kollektive Priorisierung

Im Green Dealer wurden zentrale Nachhaltigkeitskriterien gemeinsam bewertet und priorisiert.

Besonders relevant waren:

  • Genius Loci und Aufenthaltsqualität 
  • Gemeinwohlorientierte Planung 
  • Anpassungsfähigkeit und Ressourcennutzung 
  • Wissenstransfer und Bildung 

Nachhaltigkeit wurde dabei nicht als Zielgröße verstanden, sondern als Aushandlungsprozess zwischen unterschiedlichen Interessen.

 

Vom Impuls zur Idee: drei Nutzungskonzepte

Aus der Konzeptphase entstanden drei komplementäre Ansätze:

1. Pump it up

Ort für Bewegung, Sport und Freizeit
 (z. B. Surfwelle, Skatepark, Outdoor-Fitness)

2. Pumpwerk

Erfahrungsraum für Infrastruktur
 (Energie, Wasser und Technik werden sichtbar und erlebbar)

3. Auf Pump

Offene Plattform für Begegnung, Ausblick und kulturelle Nutzung

Diese Konzepte verbinden Infrastruktur mit Öffentlichkeit und zeigen neue Formen gemeinwohlorientierter Nutzung.

 

Zentrale Erkenntnisse

Der Pumpwerk-Case macht besonders deutlich:

  • Infrastruktur kann als sozialer und kultureller Raum neu gedacht werden
  • Gute Ideen sind vorhanden – entscheidend ist die institutionelle Umsetzungsbereitschaft
  • Transformation in industriellen Kontexten benötigt
  • Zeit
  • Vertrauen
  • schrittweise Öffnung

Der zentrale Engpass liegt nicht in der Konzeptentwicklung, sondern in der Transformation bestehender Strukturen.

 

Schlüsselthemen

  • Öffnung industrieller Räume für die Gesellschaft
  • Verbindung von Technik, Bildung und Erlebnis
  • Gemeinwohlorientierte Nutzung ohne Konsumzwang
  • Aktivierung vorhandener Ressourcen (Wasser, Energie, Raum)
  • Schaffung von Angeboten für bislang unterversorgte Zielgruppen

 

Perspektive: Temporäre Nutzung als Impuls

Ein konkreter Ansatz zur Umsetzung liegt in temporären Nutzungen, etwa im Kontext der World Games 2029.

Diese könnten dazu dienen:

  • das Areal schrittweise zu öffnen
  • Nutzungskonzepte prototypisch zu erproben
  • neue Formen von Infrastruktur sichtbar zu machen

 

Ergebnis: Infrastruktur als Aushandlungsraum

Der Pumpwerk-Case zeigt, dass nachhaltige Infrastrukturentwicklung nicht nur eine Frage von Gestaltung, sondern vor allem eine Frage von Rahmenbedingungen, Interessen und Verantwortung ist.

Das Pumpwerk wird damit zu einem exemplarischen Ort, an dem sichtbar wird, wie technische Infrastruktur, gesellschaftliche Nutzung und institutionelle Prozesse miteinander in Beziehung stehen – und wie Transformation unter realen Bedingungen möglich wird.