Baugrube Hochschule Karlsruhe – temporäre Nutzung als Möglichkeitsraum

Die Baugrube auf dem Campus der Hochschule Karlsruhe ist mehr als ein baulicher Zwischenzustand.

Im ARTCOM-Prozess wurde sie als Möglichkeitsraum sichtbar, dessen zukünftige Bedeutung nicht allein durch bauliche Parameter bestimmt wird, sondern durch die Perspektiven, Bedürfnisse und Ideen der Beteiligten.

Im Zentrum stand die Entwicklung eines nachhaltigen Nutzungskonzepts, das Studium, Forschung und Gesellschaft miteinander verbindet und den Ort perspektivisch als offenen Transformationsraum etabliert.

 

Den Ort verstehen: Wahrnehmung und Einflussfelder

Ausgangspunkt war eine kollektive Exploration des Ortes.
 Der Fotospaziergang machte deutlich, dass die Baugrube nicht als „leeres Loch“, sondern als vielschichtiger Raum mit unterschiedlichen Bedeutungen wahrgenommen wird.

Die Analyse erfolgte entlang der ARTCOM-Einflussfelder Mensch, Natur, Material, Digital und Macht.

Dabei wurde sichtbar:

  •   Infrastruktur ist immer auch sozial und durch Nutzung geprägt
  •   Material und Bestand bestimmen Atmosphäre und Nachhaltigkeit
  •   Natur wirkt als aktiver Teil des Ortes
  •   Digitalisierung betrifft vor allem Zugänglichkeit und Teilhabe
  •   Nutzung ist immer auch eine Frage von Steuerung und Kontrolle

Die Einflussfelder fungieren dabei als Reflexionsrahmen, der technische, soziale und kulturelle Dimensionen miteinander verbindet.
 

Nachhaltigkeit als Aushandlungsprozess

Aufbauend auf der Analyse wurde Nachhaltigkeit als gemeinsamer Orientierungsrahmen eingeführt.

Mit dem Tool Green Dealer wurden ökologische, soziale, ökonomische und technologische Kriterien nicht nur bewertet, sondern gemeinsam ausgehandelt.

Zentrale Erkenntnis:
Nachhaltigkeit entsteht nicht durch Vorgaben, sondern durch kollektive Priorisierung und Abwägung.

 

Vom Impuls zur Idee: drei Konzeptlogiken

In der anschließenden Konzeptphase wurden aus einer Vielzahl von Ideen drei zentrale, miteinander kombinierbare Ansätze entwickelt:

  •   Transfermotor
    → ein Inkubator für Campustransformation, der Akteure, Ideen und Bedarfe verbindet
  •   Sozialort („Tanke“)
    → ein offener Begegnungsraum als „Campus-Wohnzimmer“
  •   Profisorium
    → eine experimentelle Werkstatt, die Bauen, Lernen und Nutzung verbindet

Diese Konzepte zeigen, dass nachhaltige Infrastruktur nicht monofunktional ist, sondern aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Nutzungen entsteht.

Ergebnis: Transfercampus und Sozialraum

Aus der Verbindung dieser Ansätze entsteht ein Nutzungskonzept mit zwei zentralen Funktionen:

  •   Transfercampus:
    Raum für interdisziplinäres Lernen, Austausch und praxisnahe Format
  •   Sozialraum:
    Offener Ort für Begegnung, Aufenthalt und informelle Nutzung

Die Baugrube wird so zum sichtbaren Schaufenster der Hochschule und ihrer Transformationsstrategie.

Zentrale Erkenntnisse

Der Baugrube-Case zeigt exemplarisch:

  •   Transformation beginnt mit gemeinsamer Wahrnehmung eines Ortes
  •   Interdisziplinäre Zusammenarbeit führt zu tragfähigen Konzepten
  •   Nachhaltigkeit ist ein Aushandlungsprozess, kein statisches Ziel
  •   Räume müssen Mehrfachnutzung und Übergänge ermöglichen
  •   Niedrigschwellige Angebote sind entscheidend für Aktivierung und Teilhabe


Perspektive: Reallabor für Transformation

Die Baugrube ist als temporäre, modulare Struktur angelegt und kann sich über mehrere Jahre hinweg weiterentwickeln.

Sie dient als Reallabor für neue Formen von Hochschule, in dem Transformation nicht nur konzipiert, sondern konkret erprobt wird.

Ergänzend wurde in enger Abstimmung mit dem ARTCOM-Projekt ein architektonischer Ansatz entwickelt, der die temporäre Nutzung räumlich strukturiert. Die architektonische Ausarbeitung erfolgte dabei außerhalb des Forschungsprojekts.

Gipfelblick (Stufe 5 des ARTCOM Stufenmodells): Die Baugrube wird zum öffentlichen Raum, in dem zukünftige Nutzungen vor Ort sichtbar gemacht und diskutiert werden