Maarwerk – ein Bestandsareal im Wandel zur nachhaltigen Nutzung

Das Maarwerk in Bonn-Beuel steht exemplarisch für die Herausforderungen und Potenziale urbaner Transformationsräume. Auf rund 12.000 m² entsteht ein Ort, an dem neue Formen nachhaltigen Wirtschaftens, zirkulärer Produktion und gemeinschaftlicher Nutzung erprobt werden sollen

Im Rahmen des ARTCOM-Projekts wurde das Maarwerk als Fallstudie genutzt, um zu untersuchen, wie sich bestehende Gewerbeflächen in lebendige, resiliente und zukunftsfähige Infrastrukturen transformieren lassen.

 

Ausgangssituation: Ein produktiver Zwischenraum

Die Analyse des Areals zeigt einen Zustand zwischen Nutzung und Transformation. Bestehende Produktionsprozesse, Leerstände und temporäre Nutzungen existieren nebeneinander und eröffnen Spielräume für neue Entwicklungen

Das Maarwerk kann daher als produktiver Zwischenraum verstanden werden:

  • Strukturen sind vorhanden, aber nicht festgelegt
  • Räume sind nutzbar, aber nicht eindeutig definiert
  • Potenziale sind sichtbar, aber noch nicht aktiviert

Zentrale Erkenntnis:
Transformation beginnt nicht bei Null, sondern im bewussten Umgang mit dem Bestehenden.

 

Analyse: Fünf Perspektiven auf Transformation

Die Analyse des Maarwerks erfolgte entlang der fünf ARTCOM-Einflussfelder:

  • Material: Vorhandene Ressourcen als Teil eines lokalen Kreislaufsystems
  • Natur: Integration ökologischer Prozesse als Bestandteil der Infrastruktur
  • Mensch: Latente soziale Räume und Bedarf an Begegnung und Zusammenarbeit
  • Macht: Fragmentierte Zugänge und Bedarf an durchlässigen Strukturen
  • Digital: Geringe Sichtbarkeit, aber strategische Bedeutung für zukünftige Entwicklungen

Diese Perspektiven machen deutlich, dass Transformation nicht nur eine bauliche Aufgabe ist, sondern ein systemischer Prozess, der räumliche, soziale und materielle Dimensionen verbindet

 

Zentrale Leitlinien der Entwicklung

Aus der Analyse wurden zentrale strategische Prinzipien abgeleitet:

  • Aktivierung statt Neubau 
  • Kreislauffähigkeit als Leitprinzip 
  • Stärkung sozialer Infrastruktur 
  • Öffnung und Neuorganisation von Zugängen 
  • Schrittweise, adaptive Entwicklung statt Masterplanung 

Diese Leitlinien bilden die Grundlage für alle weiteren konzeptionellen Schritte.

 

Konzept: Das Maarwerk als lernender Transformationsraum

Im dritten Workshop wurden auf Basis der Analyse konkrete Nutzungskonzepte entwickelt. Zwei zentrale Ansätze stehen im Mittelpunkt:
 

1. Der Dorfplatz – Transformation beginnt mit Gemeinschaft

Im Zentrum des Areals entsteht ein gemeinschaftlicher Ort, der als Ausgangspunkt für die weitere Entwicklung dient.

Die Idee folgt einem klaren Prinzip:
Zuerst entsteht die Community – dann der Raum.

Der Dorfplatz entwickelt sich schrittweise:

  • Impuls: einfacher Treffpunkt (Baum, Sitzgelegenheiten, Grill)
  • Magnet: Erweiterung durch Angebote (Sport, Veranstaltungen)
  • Frequenz: Aufbau von Infrastruktur und regelmäßigen Nutzungen
  • Etablierung: Integration von Wohnen, Arbeiten und Lernen

Der Ort fungiert als sozialer Katalysator, der Nutzung, Identität und Dynamik erzeugt.

 

2. Nachhaltiges Handwerk der Zukunft – Lernen im Prozess

Parallel dazu wird das Maarwerk als Reallabor für nachhaltiges Handwerk gedacht.

Der Ort selbst wird zum Lerngegenstand:

  • Bauen, Nutzen und Transformieren finden gleichzeitig statt
  • Wissen wird direkt in gebaute Realität übersetzt
  • Materialien und Prozesse bleiben sichtbar und nachvollziehbar

Das Maarwerk wird damit zu einem „Dritten Ort“ der Lehre, der klassische Ausbildung durch praktische Erfahrung ergänzt.
 

Nachhaltigkeitsprofil

Die Priorisierung der Nachhaltigkeitskriterien zeigt ein klares Profil:

  • Fokus auf Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung 
  • Kombination mit sozial-ökologischer Wirkung 
  • starke Betonung von Wissen, Beteiligung und Qualifizierung 
  • Orientierung am Genius Loci des Ortes 

Nachhaltigkeit wird dabei nicht als Einzelziel verstanden, sondern als Aushandlungsprozess zwischen ökologischen, sozialen und ökonomischen Anforderungen 

 

Ergebnis: Ein offenes Modell für Transformation

Der Maarwerk-Case zeigt exemplarisch:

  • wie bestehende Strukturen aktiviert statt ersetzt werden können
  • wie Gemeinschaft zum Ausgangspunkt von Entwicklung wird
  • wie Transformation als lernender, iterativer Prozess gestaltet werden kann

Das Maarwerk ist damit nicht nur ein konkreter Ort, sondern ein übertragbares Modell für die Transformation von Infrastrukturen.